07.04.2011

BWKG-Pressemitteilung vom 7. April 2011

BWKG stellt Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Reha-Kliniken vor

Rehabilitation - Wirtschaftsfaktor mit Zukunftspotenzial

 

Die Baden-Württembergische Krankhausgesellschaft (BWKG) stellt heute die gemeinsam mit der Prognos AG erstellte Studie zur volkswirtschaftlichen Relevanz der Reha-Kliniken in Baden-Württemberg vor. „Nun haben wir es schwarz auf weiß: Die Reha-Kliniken im Land sind ein wertvoller Wirtschaftsfaktor mit großem Zukunftspotenzial. Und: Reha ist kein Kostenfaktor, sondern Reha rechnet sich“, bewertet der Vorstandsvorsitzende der BWKG, Thomas Reumann, das Ergebnis der Studie.

Die BWKG leitet aus der Studie drei Kernforderungen ab:

Zum einen müssten die Menschen ihr Recht auf Rehabilitation auch tatsächlich verwirklichen können. Reumann: „Es darf nicht von der Kassenlage der Kranken- und Rentenversicherung abhängen, wer von einer Reha-Maßnahme profitiert und wer nicht. Entscheidend ist das Wohl des Patienten - nur medizinische Kriterien dürfen über eine Reha-Maßnahme entscheiden.“

Außerdem müssten die richtigen Anreize für die Kostenträger der Reha-Leistungen gesetzt werden. Die Budgetierung von Reha-Leistungen der Rentenversicherung müsse abgeschafft werden und die Gesetzliche Krankenversicherung vom Erfolg der Rehabilitationsmaßnahmen profitieren, die sie finanziert hat. Dazu ist laut Reumann ein Ausgleich zwischen der Kranken- und der Pflegeversicherung erforderlich.

Schließlich muss die hochqualifizierte Arbeit in den Reha-Kliniken angemessen vergütet werden, fordert der BWKG-Vorstandsvorsitzende und Reutlinger Landrat: „Die Reha-Einrichtungen brauchen einen Rechtsanspruch auf eine leistungsgerechte Vergütung.“ Sonst drohe die Gefahr, dass die im Gesetzgebungsverfahren bereits vorgesehene Schiedsstelle ins Leere läuft.

Die Studie belegt, dass insgesamt 27.000 Menschen ihren Arbeitsplatz den Reha-Kliniken im Land verdanken. Durch die Nachfrage der Kliniken nach Gütern und Dienstleistungen sowie die Konsumausgaben der Mitarbeiter, Patienten und Besucher entstehen 1,2 Milliarden Euro an Wertschöpfung im Jahr. „Davon profitieren in erster Linie die ländlichen Regionen, in denen die Kliniken liegen“, unterstreicht der BWKG-Vorstandsvorsitzende. Außerdem leisten die Reha-Kliniken dort laut Reumann einen unschätzbaren Beitrag zur medizinischen und sozialen Infrastruktur.

Um weitere 1,2 Milliarden Euro steigt die wirtschaftliche Leistung im Land allein aufgrund der Rehabilitationsmaßnahmen der Rentenversicherung. Denn eine erfolgreiche medizinische Rehabilitation verhindert Arbeitsunfähigkeitstage und macht zusätzliche Berufstätigkeitsjahre möglich. „Das Beste ist, dass sich die Rehabilitation auch noch selbst finanziert“, sagt Reumann: So profitiere die Rentenversicherung direkt von jeder durch sie finanzierten Reha-Maßnahme, da sie keine Rentenleistungen bezahlen muss und der Patient weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt. Aber auch die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung profitieren von den weiterhin bezahlten Beiträgen. In der Studie wird die Rendite der Sozialversicherung insgesamt mit 185 Millionen Euro im Jahr 2010 beziffert.

„Reha rechnet sich - das belegen die Zahlen eindeutig“, betont Reumann. Für die Zukunft sei mit noch weitaus positiveren Zahlen zu rechnen. Bei einem bedarfsgerechten Anstieg der Reha-Maßnahmen könnte der positive Effekt auf die wirtschaftliche Leistung noch viel deutlicher sein. In der Studie wird mit einem Anstieg von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 3 Milliarden Euro in 2025 gerechnet. Bei den Sozialversicherungen wird mit einer Steigerung der Rendite von 185 Millionen auf 500 Millionen Euro gerechnet. „Hier wird das Zukunftspotenzial des Wirtschaftsfaktors Rehabilitation deutlich“, so Reumann. Hinzu kommen noch die positiven Effekte der Reha-Leistungen durch die Gesetzlichen Kassen: Diese seien für die Rehabilitation von Menschen im Rentenalter zuständig und könnten aufwendige Pflegeleistungen reduzieren oder ganz verhindern.

„Medizinische Rehabilitation ist eine Investition in die Zukunft und kein Kostenfaktor“, betont Thomas Reumann. Allerdings handeln die Rentenversicherung und die Gesetzliche Krankenversicherung seiner Meinung nach nicht unbedingt nach dieser Überzeugung. Grund dafür seien auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die neue Landesregierung müsse sich nun für die Belange der Reha-Einrichtungen einsetzen. Besonders wichtig sei, dass sie sich für die notwendigen gesetzlichen Änderungen auf der Bundesebene stark mache, fordert Reumann.

 

- Die Langversion der Studie finden Sie hier

- Die Kurzversion der Studie finden Sie hier