Scheffold: Sparpläne gefährden Versorgung und Reformprozess
„Die Krankenhäuser befinden sich mitten in einer großen Strukturreform und können weitere Sparauflagen nicht verkraften. Niemand darf sich wundern, wenn das Motto bald lautet: Man bekommt nur das, wofür man bereit ist zu bezahlen – und das könnte deutlich weniger sein, als wir gewohnt sind.“, bewertet Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) die Vorschläge der Finanzkommission zu Entlastung der GKV. Die BWKG fordert deshalb ein gerechtes Finanzierungssystem, das die tatsächlichen Kosten anerkennt und eine angemessene Finanzierung der erforderlichen Kapazitäten sicherstellt. Weitere Einsparungen ohne entsprechende Kostenentlastungen hätten zweifellos negative Auswirkungen auf die Versorgung. Die aktuell laufende Krankenhausplanung des Landes müsste deutlich nachjustiert, das medizinische Leistungsspektrum spürbar reduziert werden. Besonders die freigemeinnützigen, meist kirchlich getragenen Kliniken wären gefährdet. Aber auch die kommunal getragenen Kliniken werden nicht im dann erforderlichen Maß aus den kommunalen Haushalten zu Lasten anderer Aufgaben querfinanziert werden können.
„Eine Umfrage der BWKG aus dem März 2026 hat wieder einmal gezeigt, wie schlecht die finanzielle Situation der Kliniken im Land ist. Für das Jahr 2026 befürchten fast drei Viertel der Krankenhäuser ein Defizit und beziffern dieses auf mindestens 880 Millionen Euro“, macht der Vorstandsvorsitzende deutlich, der auch Landrat des Alb-Donau-Kreises ist. Bereits im Jahr 2025 lag das Defizit bei 800 Millionen Euro. Die finanzielle Lage der Kliniken verschärfte sich damit weiter und auch der befristete Rechnungszuschlag von 3,25 %, der noch bis zum 31.10.2026 gilt, könne das nicht verhindern.
„Diese Zahlen zeigen unmissverständlich, dass die Kliniken die Grenze ihrer Belastbarkeit längst überschritten haben. Es ist schlicht unmöglich, gleichzeitig zu sparen, Reformen zu stemmen und eine verlässliche Versorgung sicherzustellen,“ so Scheffold. Um die Situation sichtbar zu machen, laufe auf der BWKG-Homepage (www.bwkg.de) eine Defizituhr. Sie zeige, wie sich die finanzielle Lage der Kliniken Tag für Tag weiter zuspitzt.
„Wenn die realen Kostenstrukturen im Finanzierungssystem nicht abgebildet werden, vergrößert sich die Lücke zwangsläufig weiter“, so der Vorsitzende. Denn die Kliniken im Land arbeiteten effizient und dennoch wachse das Defizit weiter. Baden‑Württemberg sei beim Strukturwandel bereits weit vorangeschritten, wie die Statistik deutlich zeigt. Die Kliniken im Land haben bundesweit die niedrigste Bettenzahl je Einwohner, die geringste Fallzahl je Einwohner und die niedrigsten Kosten je Einwohner.
„Die Krankenhäuser fordern eine gerechte Vergütung und eine gerechte Behandlung im Vergleich zu anderen Leistungsbereichen. Denn wo sind die Strukturreformen der anderen Leistungsbereiche, etwa bei den Vertragsärzten?“, so Scheffold weiter. Einsparungen seien auch beispielsweise über eine effizientere Patientensteuerung und den Abbau der doppelten Facharztschiene möglich. Auch regional müsse es gerecht zugehen. Die Kliniken im Land sind bei der Umstrukturierung der stationären Versorgung weit fortgeschritten. „Es wäre höchst ungerecht, gerade die Kliniken im Land weiter zu belasten“, so der Vorsitzende.