Thema Langzeitpflege

Die Langzeitpflege in Baden‑Württemberg: Versorgung sichern, Qualität leben, Zukunft gestalten

Langzeitpflege ist einer unserer zentralen Aufgabenbestandteil: Als zwischenzeitlich einzige Krankenhausgesellschaft in Deutschland sind wir auch im Bereich Langzeitpflege aktiv und vertreten mehr als ein Drittel der Langzeitpflegeeinrichtungen im Land.

Die Langzeitpflege ist ein zentraler Pfeiler der Daseinsvorsorge – sie sichert Lebensqualität, Teilhabe und Würde für Menschen, die nicht nur vorübergehend auf Unterstützung angewiesen sind. Zugleich steht sie vor erheblichen Herausforderungen: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, steigende Kosten und wachsende Qualitätsanforderungen.

Versorgungsangebote in der Langzeitpflege

Für unterschiedliche Bedarfe gibt es unterschiedliche Unterstützungsangebote:

Vollstationäre Pflege

Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Pflegeheimen für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, inklusive medizinischer Behandlungspflege, sozialer Betreuung, Tagesstruktur und aktivierender Pflege.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Zeitlich befristete Unterstützungsangebote in einem Pflegeheim oder durch einen ambulanten Pflegedienst, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder zur Überbrückung von Krisensituationen sowie zur Entlastung pflegender Angehöriger.

Teilstationäre Pflege (Tages- oder Nachtpflege)

Tägliche oder nächtliche Betreuung mit Angeboten zur Aktivierung, Therapie und Sozialkontaktpflege – wichtig zur Stabilisierung häuslicher Pflegearrangements.

Ambulante Pflege (häusliche Pflege durch Pflegedienste)

Hilfen bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität, bei der medizinischen Behandlungspflege (z, B. Medikamente und Verbände) und bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, Unterstützung im Alltag, Beratung und Koordination – ermöglicht Pflege zu Hause.

Ambulant betreute Wohngemeinschaften und Quartiersnahe Modelle

Selbstbestimmte, kleinteilige Wohnformen mit pflegerischer und sozialer Begleitung.

Beratung und Case Management

Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, Pflegestützpunkte, Entlassungsmanagement der Krankenhäuser, kommunale Pflegeplanung.

Kapazitäten und Versorgungslage in Baden‑Württemberg

Hinweis: Die unten angegebenen Zahlen bewegen sich dynamisch (Neubauten, Umwidmungen, temporäre Bettensperrungen).

Vollstationäre Pflegeplätze (einschließlich Kurzzeitpflege)

In Baden‑Württemberg stehen aktuell rund 180.000 vollstationäre Pflegeplätze in etwa 1.900 Einrichtungen zur Verfügung.

Tages‑/Nachtpflegeplätze

Etwa 15.000–20.000 Plätze in teilstationären Angeboten.

Ambulante Dienste

Über 1.300 ambulante Pflegedienste versorgen landesweit täglich weit mehr als 100.000 Pflegebedürftige.

Pflegebedürftige insgesamt

Mehr als 600.000 Menschen in Baden‑Württemberg beziehen Leistungen der Pflegeversicherung, davon wird die Mehrheit zu Hause versorgt – überwiegend durch Angehörige, häufig unterstützt durch ambulante Dienste und Angebote zur Entlastung im Alltag.

Finanzierung: fair, verlässlich, transparent

Pflege ist echte Menschenarbeit. Professionelle Pflege muss fair bezahlt werden. Zwischenzeitlich wird fast durchgängig nach Tarifniveau bezahlt. Pflege ist deshalb teuer. Auch die gestiegenen Preise für Energie, Lebensmittel usw. schlagen sich in den Kosten nieder. Die Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten, eine pflegebedürftige Person muss aber immer auch einen Eigenanteil tragen.

Pflegeversicherung (SGB XI)

Die Pflegeversicherung kommt für einen Teil der Kosten auf („Teilkaskoversicherung“). Pflegeversicherte Personen können Leistungen für die häusliche Versorgung erhalten ( Pflegegeld (§ 37 SGB XI), Pflegesachleistung (§ 36 SGB XI), Budgets für Tagespflege (§ 41 SGB XI), für eine Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege (§ 42a SGB XI) oder auch für eine dauerhafte Versorgung in einer stationären Pflegeeinrichtung/Pflegeheim (§ 43, § 43a SGB XI).

Sozialhilfe durch die Gemeinden (SGB XII)

Trotz Zuschlägen sind Eigenanteile in der stationären Pflege erheblich. Steigende Personal‑, Energie‑ und Sachkosten erhöhen den Druck auf Pflegehaushalte.

Investitionskostenförderung durch das Land

In Baden-Württemberg erhalten pflegebedürftige Personen – anders als in einigen anderen Bundesländern – keinen staatlichen Zuschuss für das Wohnen in einer Pflegeeinrichtung. In der Vergangenheit wurde der Bau eines Pflegeheims jedoch zumeist durch Steuermittel gefördert, was sich durch ein niedrigeres Entgelt beim Wohnen (sog. Investitionskosten) bemerkbar macht. Der Wegfall der staatlichen Bauförderung führt dazu, dass der Kostenanteil für das Wohnen in neuen Pflegeheimen deutlich höher liegt als in älteren Heimen, die noch Förderung erhalten haben.  

Qualität: messbar, entwicklungsorientiert, personenzentriert

Qualitätsmanagement (QM)

Einrichtungen und Dienste unterhalten ein strukturiertes QM‑System, das Prozesse, Ergebnisse und Risiken steuert – mit Fokus auf Sicherheit, Kontinuität, wirksame Pflegeinterventionen und individuelle Zielerreichung.

Qualitätsprüfungen

Der Medizinische Dienst (MD) und der Prüfdienst der privaten Pflegeversicherung prüfen ambulante und stationäre Einrichtungen regelmäßig nach den gesetzlich vorgegebenen Qualitätsindikatoren und Kriterien. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, um Transparenz zu schaffen. 

Heimaufsicht

Die Heimaufsichten der Stadt‑ und Landkreise überwachen nach dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG BW) die Einhaltung der Anforderungen an Betrieb, Personal, Bewohnerrechte und Sicherheit. Sie beraten Einrichtungen und gehen Beschwerden nach.

Ergebnisqualität im Fokus

Neben Struktur- und Prozessmerkmalen rücken pflegesensitive Outcomes (z. B. Mobilität, Ernährung, Vermeidung von Dekubitus und Stürzen, partizipative Pflegeplanung) in den Mittelpunkt.

Herausforderungen für die Langzeitpflege

Die Langzeitpflege steht im Spannungsfeld tiefgreifender Strukturveränderungen. Nur wenn Demografie, Finanzierung und Fachkräftesicherung gemeinsam gedacht und politisch entschlossen umgesetzt werden, bleibt gute Pflege in Baden‑Württemberg für alle erreichbar.

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel führt auch in Baden‑Württemberg zu einem raschen Anstieg der Zahl Pflegebedürftiger bei gleichzeitig schrumpfenden jüngeren Jahrgängen. Das bedeutet: steigende Nachfrage nach pflegerischen Leistungen, komplexere Krankheitsbilder (insbesondere Demenzen und Multimorbidität) und höhere Erwartungen an Qualität und Personenzentrierung. 

Fachkräftesicherung

Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Lage: Schon heute sind viele Dienste und Einrichtungen an ihrer Kapazitätsgrenze, Stellen bleiben unbesetzt, Wartelisten wachsen. Die neue Personalbemessung (PeBeM) setzt deshalb auf eine stärker kompetenzbasierte Aufgabenverteilung, bei der Fachkräfte bei einfacheren Aufgaben verstärkt durch ausgebildete Assistenzkräfte entlastetwerden.  Notwendig sind selbstverständlich auch attraktive Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne, eine gute Ausbildung eine beschleunigte und faire Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie Entlastung durch Digitalisierung.

Zukunft der Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung steht vor einer grundlegenden Reform. Als Teilleistungsversicherung gerät sie unter Druck, weil Eigenanteile in der stationären Pflege trotz Zuschlägen dynamisch steigen und ambulant immer mehr familiäre Pflege kompensiert werden muss. Eine zukunftsfeste Finanzierung braucht aus Sicht der BWKG: eine regelhafte, an Kostenentwicklungen gekoppelte Dynamisierung der Leistungen, die nachhaltige Begrenzung der Eigenanteile, eine verlässliche Investitionskostenförderung der Länder, wirksame Entlastung pflegender Angehöriger und klare Zuständigkeiten zwischen SGB XI und SGB V (z. B. bei Behandlungspflege, Prävention und Rehabilitation). 

Modernisierung der Versorgungsstrukturen 

Gleichzeitig müssen wir Versorgungsstrukturen modernisieren: mehr Kurzzeit‑ und Tagespflege, Ausbau ambulant betreuter Wohnformen, sektorenübergreifende Versorgung mit Hausärzten und Kliniken, digital unterstützte Prozesse (TI, eAV, eRezept) sowie eine konsequente Qualitätsorientierung mit praxistauglichen Prüfverfahren von MD/Careproof und einer beratenden, risikoorientierten Heimaufsicht.